Maria Reinisch, Vorsitzende der Initiative "Meine Energie für meine Stadt"

Vision

Die Energiewende soll für Deutschland ein Erfolg werden, sowohl für die Umwelt als auch für Unternehmen und Menschen. Dazu müssen die erneuerbaren Energien gesamtheitlich in das Energiesystem eingebunden sein: mit Prozessen, mit Technologien, mit Innovationen. Wir arbeiten daran mit, dass dies möglich wird.

Nirgendwo in Deutschland können wir das besser zeigen als in Berlin. Mit einem ständigen Strombedarf von zwischen 0,8 und 2,4 Gigawatt ist Berlin ein Schwergewicht im deutschen Energiesystem. Als Vorreiter für ein neues, integriertes Energiesystem kann die Stadt erheblich zum Gelingen der Energiewende beitragen. Und damit auch der Energiewende selbst den notwendigen Schwung verleihen und viele Befürworter zurückgeben.

Wo liegt das Problem?

Was muss sich ändern? Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Unvereinbarkeit der naturgemäß schwankenden Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien (Sonne und Wind) mit unserem auf traditionelle Kraftwerke mit gleichbleibender Energieerzeugung (Atom, Kohle, Gas) ausgerichteten Stromnetz. Immer häufiger kann die Energie aus erneuerbaren Quellen nicht eingespeist werden und muss abgeregelt werden. Und trotzdem muss der Verbraucher den abgeregelten Strom über die EEG-Umlage in seiner Stromrechnung zusätzlich bezahlen. Je stärker der Ausbau erneuerbarer Energien wird, desto stärker werden die Schwankungen in der Verfügbarkeit dieser Energie. Damit nicht immer mehr erneuerbare Energie abgeregelt werden muss, wollen wir als Verbraucher neue Impulse setzen, um diese Abregelung und die Folgekosten wesentlich zu reduzieren. Darum gilt es, unseren Blickwinkel zu ändern.

Wir ändern den Blickwinkel

Uns allen ist klar: Die erneuerbaren Energien sind unsere Zukunft. Um sie optimal in unser Energiesystem zu integrieren, wechseln wir die Perspektive: Wie wäre es, wenn nicht mehr die Stromerzeugung dem Verbrauch hinterherliefe, sondern der Stromverbrauch, wo immer möglich, der umweltfreundlichen Erzeugung ohne CO2-Ausstoß angepasst würde? Wenn Unternehmen und Institutionen moderne Technologie nutzen würden, um den Verbrauch flexibel entsprechend der Verfügbarkeit erneuerbarer Energien zu steuern?

Schritt 1: Energieeffizienz

Der Weg dorthin ist einfacher, als man denkt. Zunächst führt er über eine Steigerung der Energieeffizienz. Das bedeutet nicht, Strom zu sparen, sondern den Strom so gut, effizient und zeitlich so sinnvoll wie möglich zu nutzen. Dazu schafft man Transparenz, wofür man wann und wie viel Strom benötigt. Mit der Transparenz ergeben sich viele Möglichkeiten, Energieeffizienzmaßnahmen einzuführen – für eine oft deutlich niedrigere Stromrechnung!

Schritt 2: Lastmanagement

In einem zweiten Schritt identifizieren wir die Stromverbräuche, die zeitlich verschiebbar sind. Arbeiten und Prozesse also, die genau dann verrichtet werden können, wenn viel erneuerbare Energie erzeugt wird: das Laden eines Wärmespeichers etwa, Kälteerzeugung, Lüftungen oder Pumpen sowie mechanische und chemische Bearbeitungsprozesse. Intelligentes Lastmanagement kann dies automatisiert innerhalb definierter Korridore steuern und so den Strom zum idealen Zeitpunkt abrufen. Damit wird die erneuerbare Energie im Energiesystem perfekt genutzt und muss nicht abgeregelt und so auch nicht zusätzlich bezahlt werden. Indem es Energie in Form von Produkten speichert, vermindert Lastmanagement den Bedarf an rohstoffintensiven Stromspeichern: Vorhandene Flexibiltäten in Gebäuden und Produktion werden so intelligent genutzt.

Das Ziel – und ein neuer Weg

Unser Ziel ist es, 10 Prozent des Energieverbrauchs von Berlin flexibel zu machen. Das entspricht, mit rund 180 Megawatt, dem Energieverbrauch einer mittleren deutschen Großstadt! Wir verknüpfen Verbraucher, Erzeuger und Netzdienstleister systemisch und neu in einem ganzheitlichen und maßgeschneiderten Energiekonzept.

Bereits um 1900 war Berlin Vorreiter der Elektrifizierung unserer Welt. Kurz zuvor war hier die elektrische Straßenbeleuchtung aus der Taufe gehoben worden, und bis in die 30er Jahre war Berlin als Stadt der Elektrizität, als "Elektropolis" bekannt.

„Meine Energie für meine Stadt“ knüpft an diese Tradition an und macht Berlin zum Vorbild für ein neues und intelligentes Energiesystem, das die erneuerbaren Energien optimal einbezieht. Berlin und Brandenburg im Zusammenspiel bieten hierbei die besten Voraussetzungen.

 

Download: Kurzbroschüre "Berlin als Vorreiter für intelligenten Energieverbrauch"